Teil 1: Zur Person – Romanos Weg in ihr akademisches Abenteuer

Frau Romano, Ihr Beruf bringt es mit sich, dass Sie häufig in der Welt unterwegs sind. War es immer Ihr Traum, Wissenschaftlerin zu werden?

Um ehrlich zu sein, nein. Ich habe „Development Studies” in Turin studiert und dann einen Master in „European Studies“ gemacht. Ich fand internationalen Zusammenarbeit immer spannend und ich wollte für eine europäische Institution arbeiten. Als ich mein Studium abschloss, war jedoch kurz vorher beschlossen worden, dass diese Institutionen vorrangig Bewerber aus Ländern einstellen wollten, die der EU erst kürzlich beigetreten waren. Ich wusste auch, dass es ziemlich schwierig ist bei NGOs [Anm. d. Red. Nichtregierungsorganisationen] Fuß zu fassen – es gibt einfach zu viele Bewerbungen für zu wenige Stellen. Und im italienischen Diplomatendienst – naja da braucht man eine Menge Vitamin B, wie man hier in Deutschland sagt. Einige meiner Kommilitonen haben unbezahlte Praktika bei der UN gemacht – nur um danach arbeitslos zurück nach Hause zu kommen… Ich habe mich also entschlossen, mein Studium fortzusetzen. Ermutigt wurde ich von meinem Bruder, einem unermüdlichen Arzt mit gleich zwei Abschlüssen.

Wie ging es dann weiter?

Ich entschied mich, nach Frankreich zu ziehen, das ich bereits durch mein Erasmusjahr kannte. Anfangs schrieb ich mich für einen Bachelor in China Studies an der Université Paris Diderot ein. Im darauffolgenden Jahr wurde ich dann als Doktorandin am Institut für politische Studien am Sciences Po in Paris angenommen, und so begann mein akademisches Abenteuer. Ich lernte Chinesisch, arbeitete als Forschungsassistentin und dann als Beraterin und Think-Tank-Forscherin, um mich zu finanzieren, und schaffte es, mein Studium abzuschließen. Am Anfang war es sehr schwer, aber nach ein paar Jahren wurde ich irgendwie „erleuchtet“ und ich fand meine Leidenschaft für das was ich tat. Und hier bin ich nun.

Warum ausgerechnet China?

Ich habe mich schon immer für Ostasien interessiert, besonders faszinierten mich die chinesischen Schriftzeichen. Sie sind so schön und vereinen eine ganze Welt in sich. Außerdem bin ich ein Kind der 1980er Jahre, was – zumindest in Italien – bedeutet, dass ich mit japanischen Zeichentrickfilmen aufgewachsen bin. Anfangs interessierte ich mich deshalb vor allem für Japan. Dann riet mir eine gute Freundin, Chinesisch zu studieren, weil China in der Welt immer mehr an Bedeutung gewann und weil viele der Dinge, die ich bewunderte, dort ihren Ursprung haben – auch die Schriftzeichen. Außerdem wollte ich in meiner Doktorarbeit die europäische Zusammenarbeit mit China im Bereich des Klima- und Umweltschutzes untersuchen.

Was ist Ihr Lieblingsplatz in Ihrer neuen Heimatstadt Duisburg? Was denken Sie über das Ruhrgebiet im Allgemeinen?

Ich mag auf dem Duisburger Campus besonders die Sporthalle: Vor der Pandemie habe ich zwei Mal die Woche mit einem sehr engagierten Trainer und einer Handvoll Leuten intensiv trainiert und trotz der körperlichen Anstrengung immer ein Lächeln auf den Lippen behalten. Ich schätze diese Momente.

In der Stadt Duisburg – hm, das ist schwierig. Ich habe etwa zehn Jahre in Paris gelebt, wenn ich nicht gerade in China war. Und ich kann nicht verhehlen, dass es ein Schock war, hierher zu ziehen (lacht). Mit der Zeit habe ich jedoch einige schöne Orte entdeckt und das Leben in Duisburg schätzen gelernt. Da ich kein Auto habe, bin ich viel zu Fuß unterwegs. Das gibt mir die Möglichkeit nach links und rechts, oben und unten zu schauen und in aller Ruhe die Details zu betrachten. Ich liebe vor allem die bunten Wohnhäuser, mit den vielen Verzierungen und dem Stuck. Während der Pandemie habe ich auch eine Straße in Hochfeld entdeckt, die voller türkischer Geschäfte ist. Ich gehe jetzt oft dahin, weil ich dort Aromen finde, die mich an das Essen zweier sehr guter Freunde aus Istanbul erinnern. Es gibt aber auch viele Produkte, die man in der italienischen Küche findet.

Was ist Ihnen in Ihrem Leben besonders wichtig?

Vielleicht ist es zu naheliegend, weil ich Italienerin bin, aber für mich steht meine Familie an erster Stelle. Ohne ihre Unterstützung hätte ich das, was ich getan habe, nicht geschafft, und ohne sie wäre ich nicht in der Lage, so weiterzumachen. Auch wenn sie weit weg sind, sind meine Familienmitglieder die wichtigste Quelle der Ermutigung und Liebe – ebenso wie meine Freunde. Aber auch sie leben in verschiedenen Städten und es ist schwierig Kontakt zu halten – besonders in Corona-Zeiten.

Die Fragen stellte Jennifer Meina.
Stand: 11/2021

Bildnachweis: © UDE / Frank Preuß

Im Porträt & Interview​

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